[off-topic] Suche Sinn, biete Perfektionismus

Was haben ein Interview, Sina Trinkwalder und ein Glückskeks gemeinsam? Sie regen zum Nachdenken an. In letzter Zeit gibt es so einige Dinge, die mich in Sachen Blog umtreiben, über die ich mir Gedanken mache.
Mir schwirrt das schon lange durch den Kopf. Letztes Jahr sprach ich mit einer lieben (und gleichzeitig SEHR erfolgreichen) Bloggerkollegin darüber. Dann geriet es in Vergessenheit und wurde doch immer mal wieder sanft hochgespült. Nun gab es allerdings jüngst gleich drei Anlässe kurz hintereinander, die das Thema wieder dermaßen in den Fokus rückten, dass ich nicht umhin komme (Carrie Bradshaw lässt grüßen), doch einmal darüber zu schreiben. Darüber reden (aka schreiben) soll ja befreiend wirken.

Was mich umtreibt? Immer wieder ein und die selbe Frage:

WARUM MACH ICH DEN SCH…[piiieeep] ÜBERHAUPT???

Ja, krasse Wortwahl, trifft es aber auf den Punkt. Wenn du weit nach Mitternacht ein ganzes Buffet mit Tageslichtlampen ins rechte Licht rückst, obwohl du totmüde bist. Wenn du es die zweite/dritte/vierte Woche in Folge nicht geschafft hast, einen Beitrag zu schreiben und es auch in den folgenden Wochen nicht danach aussieht, als würdest du Zeit dafür finden. Wenn deine facebook-Seite nach über zwei Jahren immer noch bei knapp 500 Fans rumkrebst. Wenn du den geplanten Relaunch seit Monaten vor dir herschiebst, weil du einfach keine Zeit dafür findest. Dann, ja genau dann stellst du dir ernsthaft die Frage, ob das alles überhaupt einen Sinn hat.

Stadtstreicher

Ich sprach oben drei Anlässe an, die mich ins Grübeln gebracht haben. Der erste ist ein Interview mit dem Chemnitzer Stadtstreicher, der die Bloggerszene der Stadt beleuchtet. Für alle Nicht-Chemnitzer oder die, die kein gedrucktes Magazin mehr abbekommen haben, gibts hier die Online-Version (ab Seite 11 wird es interessant).
Interessant fand ich, dass wir alle Drei – obwohl über vollkommen unterschiedliche Themen bloggend – Bloggen als Leidenschaft verstehen, die manchmal auch Leiden schafft. Selbstgewähltes Elend – sicher! Wer hält mich davon ab, den Blog einfach wieder einzustampfen? Ich denke hin und wieder darüber nach. Gerade dann, wenn es gar nicht läuft. Dann kommt aber irgendein lieber Kommentar, fragt jemand nach einem Rezept und bäm, bin ich wieder drin. Yeah, das macht doch so viel Spaß…
Ich glaube, dass ein Blog eine Anlaufzeit von drei Jahren braucht. Wenn du die schaffst, hältst du auch länger durch. Warum drei Jahre? Ist so ein Gefühl. Ich habe sie im Dezember geschafft, hoffentlich.

Sina Trinkwalder

Anlass Nummer zwei war ein Auftritt von Sina Trinkwalder. Sie hat mit manomama ein nachhaltig wirtschaftendes, sozial engagiertes Unternehmen gegründet, in dem sie Menschen mit „multiplen Vermittlungshemnissen“ beschäftigt. So nennt die Agentur für Arbeit Menschen, die am Arbeitsmarkt keine Chance haben – Langzeitarbeitslose, chronisch Kranke, Menschen ohne Ausbildung. Dafür gab es jede Menge mediale Aufmerksamkeit, das Bundesverdienstkreuz und, und, und. Nun mag sie eine streitbare Persönlichkeit voller Widersprüche sein. „Ich habe auch Apple-Produkte. Ich bin ja auch nur ein Mensch“, sagte sie im garantiert nicht-nachhaltig produzierten Schalke-Trikot auf einer Veranstaltung. Sie steht zu ihren zutiefst menschlichen Widersprüchen, sicherlich in gewisser Weise inszeniert, aber – und das ist das Entscheidende – sie zeigt Haltung. Sie vertritt ihre Meinung, oft auch ungefragt. Egal, ob sie damit aneckt und vor allem bei wem.

Ich finde das beachtlich. Ich bin kein sonderlich politisch interessierter Mensch, aber auch unter Bloggern gilt es eine Meinung zu vertreten. Zankapfel ist momentan der Umgang mit Kooperationen. Mir platzt die Hutschnur, wenn ich Blogger-„Kollegen“ reden höre, dass sie sich AUF GAR KEINEN FALL mit kostenlosen Produkten oder einer Erwähnung in einem Printmagazin abspeisen lassen. Betrag X müsse mindestens gezahlt werden, sonst kommt eine Zusammenarbeit auf gar keinen Fall in die Tüte. All die Blogger, die es für umme machen, versauen ja den Markt. Whhhat??? Okay, es gibt wirklich dämliche Kooperationsanfragen, ungeschickt von Agenturen formuliert, die nur so nach Massenabklatsch riechen. Die bekommen von mir eine freundliche, aber bestimmte Absage und gut. Und es gibt Blogger (meist beginnt oder endet der Blogname mit „testet“), die vollkommen gedankenlos, nur der kostenlosen Produkte wegen echt ALLES annehmen. Auch nicht sooo toll. Schon klar.
Aber ist ein Blogger in seinem Ursprung nicht mal ein unabhängiger Journalist gewesen, der online am laufenden Band Kommentare (im Sinne der journalistischen Gattung der Meinungsäußerung zu verstehen) veröffentlicht? So ist zumindest mein Selbstverständnis als Blogger. Klar, ich sag auch ja, wenn mir jemand Geld für einen Beitrag anbietet. Aber genauso sag ich nein, wenn ich mit dem Unternehmen, seinen Produkten oder Dienstleistungen nichts anfangen kann. Und es gibt Unternehmen, von deren Philosophie und Produkten ich so überzeugt bin, dass ich mich über eine Warensendung freue und beherzt darüber schreibe, ohne auch nur einen Cent dafür zu bekommen. Diese Kooperationen sind aus persönlichen und mittlerweile zum Teil auch länger bestehenden Kontakten entstanden. Da werden Blogger-Relations im wahrsten Sinne des Wortes gelebt. Gut, ich mag in der glücklichen Lage sein, nicht vom Bloggen leben zu müssen. Ich kann mir unbezahlte Beiträge „leisten“, was aber nicht heißt, dass ich mich unter Wert verkaufe. Ich möchte nur gern unabhängig bleiben.

Glückskeks

Womit mir auch schon bei Anlass Nummer drei wären, der gerade in Bezug auf die Widersprüche eng mit dem voran gegangenen zusammen hängt. Ein Glückskeks, besser gesagt, der Spruch, der sich darin verbarg.

Große Töne da oben, von wegen „Ich bin unabhängig“ und so… Dabei schaue ich offen gesagt neidvoll auf die Social Media Kanäle meiner durchweg sehr erfolgreichen Bloggerkollegen. Wieder eine spannende Bloggerreise, wieder ein tolles Bloggerevent, wieder eine Kooperation mit einem wahnsinnig hippen Unternehmen… *seufz* Ich gönne es ihnen allen von ganzem Herzen und wäre doch gern auch Teil dieses auserwählten Kreises. In solchen Momenten muss ich mir immer wieder vor Augen führen, dass ich nunmal einen kleinen Blog habe, der nicht die oft horrend hohen Anforderungen an Reichweite, Leserzahlen, facebook-Likes und so weiter erfüllt. Es gibt mit Sicherheit viel Optimierungspotenzial, um all diese Zahlen zu steigern, den Blog SEO-zu-optimieren und wer weiß was noch alles. Doch er ist ein Hobby, kein Vollzeitjob. Da ist Perfektionismus fehl am Platz. Wer mich etwas genauer kennt, weiß, dass ich keine halben Sachen mache und immer bestmögliche Ergebnisse erzielen will. „Es geht eben nicht alles auf einmal“ – wie ich diesen Satz verabscheue. Doch ich gebe mich nunmal nicht mit weniger zufrieden. Ich frage mich, wie ihr erfolgreichen Blogger, von denen ich weiß, dass sie auch einen Vollzeitjob haben, das macht? Hat euer Tag irgendwie mehr Stunden? Dann hätte ich gern auch so eine Zeitdehnmaschine.
Ich bin innerlich zerrissen zwischen Neid und dem Wissen, dass meine Zeit nun mal nicht mehr hergibt. Immerhin möchte ich auch keines meiner anderen Hobbies aufgeben. Also „muss“ ich wohl mit dem Kompromiss leben. Das klingt alles so negativ, dabei soll ein Hobby doch Spaß machen, Freude und Entspannung bringen. Da ruckelt es manchmal, dann fühle ich mich getrieben, gehetzt. Freizeitstreß nennt sich das wohl. „Du machst zu viel“, höre ich oft. Doch irgendwie macht es ja dann doch auch wieder Spaß.

Rose

Hach, was für eine Zwickmühle. Na ja, ich halte es mit Robert Betz: „Du hast es immer genau so gut gemacht, wie du konntest.“ Und so mache ich es auch weiterhin. Ich höre einfach auf meinen Bauch, der weiß ganz genau, was gut für mich ist. Fühlt sich etwas nicht stimmig an, dann lass ich es bleiben. Haltung bewahren – mir selbst gegenüber. :)

Auf bald, Ihr Lieben
Claudia.

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