Weihnachtsbäckerei – Erzgebirge meets Italien

Ahhh, in einer Woche ist schon der erste Advent. Höchste Zeit für die Weihnachtsbäckerei und vor allem allerhöchste Eisenbahn fürs Stollenbacken. Ohne den geht bei uns im Erzgebirge an Weihnachten ja gar nichts. Früher, als ich noch klein war, sind wir meist Ende Oktober in aller herrgotts Frühe mit eimerweise Zutaten zum Bäcker gegangen. Der hat dann noch ein Hefestöckchen zugegeben und daraus für uns Stollen gebacken. Gut verpackt wurden sie bis zum ersten Advent in unserer Garage gelagert. Das war eine schöne Tradition, die jedoch mit der Wende leider verschwand.

Stollenform

Also haben wir zu Hause gebacken. Das war eine tagfüllende Aufgabe, die meine Mama und mich immer vor einige Herausforderungen stellte. Riesen Schüsseln für den Hefeteig auftreiben, bittere Mandeln besorgen, Stollenformen (ja, so etwas gibt es – ihr seht sie oben) ausleihen, und dann immer die bange Frage, ob der Hefeteig gelingt. Einmal haben wir Zucker mit Salz verwechselt. Wie ärgerlich, aber zum Glück haben wir es noch vorm Backen bemerkt. In dem Jahr gab es zum Adventskaffee dann keinen Stollen…

Stollenkuchen

Als Belohnung für die ganze Mühe gab es übrigens immer Kartoffelkuchen. Manche nennen ihn auch Stollen- oder Zuckerkuchen. Er besteht aus dem Teig für einen Stollen, unter den gekochte, durchgedrückte Kartoffeln geknetet werden, wie viel ist Gefühlssache. Oben drauf kommt eine Zucker-Zimt-Mischung und dann wird er während der letzten Gehzeit der Stollen gebacken. Am besten schmeckt er frisch und warm aus dem Ofen.

SMEG Küchenmaschine

Für die italienisch angehauchten Ministollen braucht ihr nicht erst einen Bäcker aufsuchen und müsst sie auch nicht einen Monat durchziehen lassen. Eine gute Küchenmaschine ist allerdings mächtig von Vorteil. Sie erleichtert euch das lange Kneten des Hefeteigs ungemein. Hab ich dieses Jahr das erste Mal ausprobiert und das hübsche Teil von SMEG hat den Test auch gleich mit Bravour bestanden. :) Wie ich dazu gekommen bin, erzähle ich euch das nächste Mal.


Ministollen
ca. 16 Stück

Stollen

60 g Hefe
150 ml lauwarme Milch
500 g Mehl
100 g Zucker
100 g Zitronat
100 g Orangeat
100 g kandierte Kirschen
50 g Pistazien
84 g gemahlene Mandeln
25 g gemahlene, bittere Mandeln
1 unbehandelten Bergamotte
84 g Butterschmalz
66 g Pflanzenmagarine
66 g Butter
84 g Schweineschmalz
Puderzucker

Die Hefe in der Milch auflösen.
Mehl und Zucker in eine Schüssel geben. In die Mitte eine Vertiefung drücken und die Hefemilch hinein gießen. Mit einer Gabel ein wenig Mehl unterrühren. Zugedeckt an einem warmen Ort 20 Minuten gehen lassen.

Hefe

Währenddessen Zitronat, Orangeat, Kirschen und Pistazien klein hacken.
Pistazien in einer Pfanne ohne Fett leicht anrösten und anschließend grob hacken.
Schale der Bergamotte fein abreiben.
Mandeln, Fettsorten und Bergamottenschale zum Teig geben und alles für circa zehn Minuten ordentlich durchkneten.
Zum Schluss Zitronat, Orangeat, Kirschen und Pistazien rasch unterheben.

Teig

Zugedeckt eine Stunde an einem warmen Ort gehen lassen.
Teig kurz von Hand auf einer bemehlten Arbeitsfläche durchkneten. In 16 gleichgroße Teiglinge aufteilen und zu Stollen formen. Dafür den Teig zu einem Rechteck drücken und gedanklich die lange Seite dritteln. Das obere Drittel über das mittlere klappen, das untere Drittel darüber legen und die Ecken links und rechts etwas abrunden, so dass es wie ein kleines Brot aussieht. Mit großem Abstand auf zwei Backbleche setzen. Erneut zugedeckt eine Stunde gehen lassen.

Stollen formen

Ofen auf 180 Grad Celsius vorheizen. Bei Ober-/Unterhitze 35 bis 40 Minuten backen.
Stollen abkühlen lassen. Mit geschmolzener Butter bestreichen und viel Puderzucker bestäuben.

Das Grundrezept ist unser altes Familienrezept, mit dem wir auch schon zum Bäcker gegangen sind. Bitte wundert euch nicht über die krummen Mengenangaben. Sie resultieren daraus, dass ich die Menge für sonst drei oder mehr Stollen herunter gerechnet habe.
Bittere Mandeln bekommt ihr in der Apotheke. Zur Not geht auch ein halbes Flächen Bittermandelaroma, empfehle ich aber nicht unbedingt.
Statt einer Bergamotte (ich weiß, die sind superschwer zu bekommen) eignet sich auch eine unbehandelte Zitrone.

Bildkombi

Die vielen Fettsorten sorgen übrigens dafür, dass der Stollen saftig und locker wird.
Spart am Ende nicht bei Butter und Puderzucker. Er schmeckt nur mit einer zentimeterdicken Schicht wirklich vollkommen. Stollen ist nun mal nix für die schlanke Linie. ;)

Butter Puderzucker

Übrigens hat meine Mama einen Bäcker entdeckt, der das „dienstleistende“ Stollenbacken wieder anbietet. Probieren wir nächste Woche gleich mal aus. :)

Auf bald
Claudia.

 

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