Auf dem Weg zum Yogalehrer – oder doch nicht?

Ich bin ein sehr geradliniger Mensch. Wenn ich einmal eine Entscheidung getroffen habe, bleibe ich auch dabei – no matter what. Na ja, meistens jedenfalls. Es gab doch einige Situationen von recht fundamentaler Bedeutung für den weiteren Lebensweg, in denen ich meine zunächst doch so wohlüberlegte Entscheidung wieder komplett über den Haufen geworfen habe. Sei es ein Orts- oder Jobwechsel oder der falsche Mann an meiner Seite. Das nennt sich eben Leben und Leben heißt Veränderung. Was auch immer es war, ich habe jedes Mal danach festgestellt: „Hey, es geht immer irgendwie weiter. Und oft besser als zuvor.“

Hortensien

Nun mag eine Yogalehrerausbildung nicht nach DEM einschneidenden Lebensereignis wie Hochzeit, Kinder oder Hausbau klingen. Doch sie prägt den eigenen Weg schon ab dem Moment, in dem man sich für sie entscheidet. Mit der Unterschrift unter so einem Vertrag sind plötzlich viele Wochenenden auf Jahre hinaus im Voraus verplant und es wird eine nicht ganz unbedeutende Summe Geld fällig. Das will alles sehr wohl überlegt sein.

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Das hatte ich getan – ich hatte mir sehr gut überlegt, dass ich mich die nächsten vier Jahre, jeden Monat ein Wochenende von Freitagnachmittag bis Sonntagnachmittag in Dresden zum Hatha-Yogalehrer ausbilden lasse. Ein Hospitationswochenende und mehrere Telefonate mit den Ausbildungsleitern bestärkten mich noch in diesem Entschluss. Einen Teil des Geldes hatte ich über ein paar Jahre hinweg auf einem extra Konto gespart.

Dresden

An einem wunderbar sonnigen Wochenende nahm das Abenteuer seinen Anfang und gleichzeitig sein jähes Ende. Für gewöhnlich bin ich sehr begeisterungsfähig, doch ich kam jeden Abend mit einem putzigen Gefühl nach Hause. Irgendwie passte das Ganze nicht. Lag es an der geballten Kraft der Yogaphilosophie, die uns von einem Inder vermittelt wurde und mich zugegeben massiv erschlug? Oder daran, dass ich mich wie der bunte Vogel in der Gruppe fühlte, der im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern in der westlichen Konsumwelt verankert ist? Die Vorstellung, vier Jahre hier zuzubringen, jagte mir plötzlich Angst ein.

Nun wird jeder von euch denken: „Mädel, einfach mal Zähne zusammenbeißen und durchhalten.“ Recht habt ihr, doch mein Gefühl sagte mir, dass es auch dann nicht besser wird.

Die folgenden Tage waren emotional sehr schwer. Mir kamen riesengroße Selbstzweifel. Ich hatte mir das doch sooo gut überlegt, Pro und Contra abgewogen, den finanziellen Aufwand kalkuliert, ein Wochenende hospitiert. Ich wollte diese Ausbildung unbedingt, um mich in meinem Yoga weiterzuentwickeln, tiefer in die Philosophie einzusteigen. Auf der Suche nach einer geeigneten Schule hatte ich mich überall informiert, Probestunden genommen und mich schließlich für die 700 Stunden-Ausbildung entschieden. Wenn schon, dann gleich richtig und von Grund auf. Das sollte jetzt alles falsch sein?

Buddha

Ich telefonierte mit einem der Lehrer, um mit ihm über meine Bedenken zu sprechen. Er war sicherlich überrascht, zeigte sich dennoch sehr verständnisvoll und versprach, eine einvernehmliche Lösung zu finden, sollte ich mich dagegen entscheiden wollen. Er legte mir aber auch nahe, es noch ein Wochenende zu versuchen. Weitere Grübelei folgte. In der Zeit war ich, glaube ich, unausstehlich. Entscheidungen zu treffen, ist eben nicht immer einfach.

Schließlich hörte ich auf mein Bauchgefühl und entschied mich gegen die Ausbildung. Nach dem Anruf in der Yogaschule, fühlte ich mich wie von einer schweren Last befreit. Für mich der Beweis, dass es richtig war. Wir fanden eine sehr faire Lösung, damit ich aus dem Vertrag kam. Dafür bin ich unheimlich dankbar. Meine Abschiedsmail an die anderen Teilnehmer blieb leider unbeantwortet. Auch ein Zeichen für mich, dass ich da nicht hinpasste.

Räucherstäbchen

Eine Hürde gab es noch: die lieben Mitmenschen. Ich hatte überall freudestrahlend erzählt, dass es demnächst losginge, ich Yogalehrer werde. Einige hatten sich schon für Kurse bei mir „angemeldet“, ich sollte später hier und da unterrichten. Wie sag ich es also? Wird es mir als Scheitern ausgelegt? Werden einige enttäuscht sein? Egal, wie die Reaktionen ausfallen würden, musste ich mir immer wieder sagen, dass es mein Leben ist und so lange ich mit der Entscheidung klar komme, konnte es mir egal sein, was mein Umfeld darüber denkt.
Zu meiner Überraschung waren insbesondere drei befreundete Yogalehrer ganz bei mir. Das beruhigte mich ungemein. Auf ihre Meinung lege ich viel Wert, denn sie haben viel Erfahrung und selbst mehrere Ausbildungen absolviert. Auch das übrige Umfeld reagierte positiv und bestätigte mich darin, auf mein Gefühl gehört zu haben.

Und jetzt? Yogalehrerkarriere an den Nagel gehängt? Nein, keinesweg, aber dazu das nächste Mal mehr. ;)

Auf bald und namasté
Claudia.

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