max louis – so lala, so lala

Chemnitz hat eine recht ambivalente Einstellung zu seinen Restaurants. Von Zeit zu Zeit wagen engagierte Menschen den Schritt, sich mit einem mehr oder minder neuem gastronomischen Konzept etwas vom sonst recht klar verteilten Kuchen der städtischen Restaurantwelt zu stibitzen. „Stark angefangen (und groß gefeiert), stark nachgelassen“ trifft sie dann leider nur allzu häufig und schon nach einer kurzen Weile das jähe Aus. Geld für gutes Essen kann eben nur einmal ausgegeben werden. Nur allzu gern wird Neues ein Mal ausprobiert, dann darfs aber ruhig wieder das Gewohnte sein.

max louis

Seit Mitte Juni wirbt nun das max louis in der schönherr.fabrik um die Gunst der Kundschaft. Ganz im Stil der alten Webstuhlfabrik zeichnet sich die Einrichtung durch industriellen Charme aus. Große Garnrollen dienen als Raumtrenner, eine Videoinstallation zeigt Bilder aus einer Webfabrik und sogar bis zu den Klopapierhaltern wurde das Konzept durchgezogen.

Klopapier

Der Hallencharakter mit Zweiertischen entlang der Wände und größeren Tischen in der Mitte erinnert eher an Restaurants in München, Berlin oder Hamburg. Im Biergarten, der ruhig in einem Innenhof liegt, lässt es sich an lauen Sommerabenden lange aushalten.

Garnrollen

Was das Essen angeht, so hatten die Bilder auf der Internetseite bei mir GROßE Erwartungen geweckt. Chefkoch Markus Jost war immerhin zuvor im Hotel Drei Schwanen in Hohenstein-Ernstthal, dessen Küche einen außerordentlich guten Ruf genoß. Neben einer festen Karte gibt es ein wöchentlich wechselndes Angebot. Regionale Produkte kommen in der – laut eigener Beschreibung – frechen und fantasievollen Küche zum Einsatz. Schauen wir doch mal…

Brot wurde in einem hübschen Körbchen mit einem Aufstrich im Glas serviert. Dazu kam ein Amuse Gueule, das besser nicht als Gruß aus der Küche zu verstehen gewesen wäre. Optisch und geschmacklich leider null Punkte.

Amuse Gueule

Als Vorspeise hatte ich gebeizte Lachsforelle auf Kartoffel-Linsen-Salat mit Sauerampfer-Rahm-Eis.  Klang gut, war aber so lala. Die Linsen hatten noch sehr viel Biss und die Lachsforelle war etwas trocken. Das Eis fror leider den Geschmackssinn ein und passte für mich nicht ganz so gut zu der Kombination. Als Hauptgang gab es einmal Rote-Beete-Risotto mit karamelisierten Birnen, Walnüssen und Ziegenkäse. Der Reis war toll, nur durch die rote Beete recht süß. Hinzu kam die am Zucker mal vorbei gelaufene, aber nicht karamellisierte Birne. Der Ziegenkäse schaffte es natürlich nicht, die Unmengen Süße auf ein verträgliches Maß auszugleichen.

Hauptgang

Zum anderen gab es Matjesfilet auf Zitronen-Couscous und grüner Gurke. Ich weiß, wie ein Fisch aussieht und dass er Flossen hat, aber die will ich bei einem Matjesfilet nicht auf dem Teller sehen, noch dazu wenn es so lieblos angerichtet ist. Da verging mir der Appetit. Geschmacklich war es dann leider auch nichts besonderes, im Gegenteil, den Matjes fand ich irgendwie eigenartig. So gingen die Teller nur halb leer zurück in die Küche.

Brotkorb

Der Red Cucumber Cocktail, ein Espresso und ein mit großer Geste am Tisch zubereiteter Latte macchiato rissen das Ruder am Ende nicht mehr rum, stimmten lediglich etwas versöhnlicher.

Mein persönliches Fazit ist so lala, so lala. Mir gefallen das Ambiente, die chillige Musik, die Drinks und was ich auf der Karte lese. Doch was gut klang, war in meinen Augen und für meinen Gaumen leider kein „Geschmackserlebnis für den bewussten Genießer moderner Esskultur“.

Schild

Das Restaurant bekommt auf jeden Fall eine zweite Chance, zumal Freunde von mir sehr begeistert waren. Vielleicht war der zuständige Koch an dem Abend einfach nicht gut drauf. Soll ja vorkommen. Ich werde berichten…

Auf bald
Claudia.

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