[off-topic] Suche Einstellung, biete Laufschuhe

Sie waren schlicht grau mit weißer Sohle und hübschen türkisfarbenen Schnürsenkeln, sie haben mich zuverlässig meine Fünf-Kilometer-Runden laufen lassen und waren ein treuer Begleiter auf ausgedehnten Stadtwanderungen im letzten Australienurlaub. Meine geliebten Nike Free Laufschuhe…

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Und jetzt? Jetzt stecken in ihnen fremde Füße. Füße, die zu jemandem gehören, der sie mir einfach so weg genommen hat. Oder Füße, die zu jemandem gehören, der sie jemandem abgekauft hat, der sie mir einfach so weg genommen hat.

Das Drama begann letzte Woche, als uns eine Nachbarin darauf hinwies, dass ihr Schuhe im Treppenhaus gestohlen wurden. Recht schnell war klar, auch unsere Laufschuhe waren weg. Einige von euch wissen, dass ich in der Nähe einer Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende wohne. Das mag zu voreiligen Schlussfolgerungen führen. Aber wir wissen nicht, wer sich da Zugang zum Haus verschafft hat und vermutlich werden die polizeilichen Ermittlungen auch nichts ergeben. Am Ende ist das auch egal – weg ist weg. Mir geht es vielmehr darum, dass ich seit dem Ereignis nach einer Einstellung dazu suche.

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Im Yoga gibt es fünf sogenannte Yamas. Das sind Werte und Regeln für das Zusammenleben mit anderen Lebewesen. Ein Yama passt besonders gut auf die aktuelle Situation und geht mir immer wieder im Kopf herum.

Aparigraha steht für Genügsamkeit.  Wörtlich übersetzt bedeutet es nicht-zugreifen. Einem Yogi ist das Konzept des Besitzens fremd, denn die Angst, diesen Besitz wieder zu verlieren, macht das Leben unfrei, schwer und träge. Anhaftungen versucht er also zu vermeiden. Jeder achtet darauf, dass er genau so viel hat, wie er zum Leben tatsächlich benötigt. Die Kunst ist nur, das Notwendige vom Nutzlosen zu unterscheiden.

Demnach sollte ich meinen Laufschuhen nun keine Träne hinterher weinen, denn im Grunde sind sie für mich nicht lebensnotwendig. Im Gegenteil, Dank an den Dieb, der mich von dieser Anhaftung befreit hat. Und wer will schon Schuhe zurück haben, in denen zwischenzeitlich jemand anderes geschwitzt hat. *puhhh*

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Doch so einfach ist das natürlich nicht. Ich bin eine mitteleuropäisch sozialisierte Frau, die in einer materialistischen Welt lebt. Mir gefallen schöne Schuhe und ich kann mich selbst für hübsche Laufschuhe begeistern. Nun werdet ihr denken: „Dann kauf dir halt ein paar Neue.“ Genau das regt mich aber auf – also nicht ihr, sondern dass ich mir nochmal welche kaufen muss, nur weil jemand anderes der Meinung war, mir meine Schuhe wegnehmen zu müssen. Das ist so sinnlos fremdbestimmter Konsum, denn sie hätten locker noch ein paar Sommer mit mir durch die Welt laufen können. Und nicht nur das, für mich haben sie auch noch einen ideelen Wert. Immerhin hab ich mit ihnen angefangen, laufen zu gehen.

Ja, ja, how to be a Yogi… Ich suche weiter nach einer Einstellung. Vielleicht habt ihr ja auch eine Meinung dazu und lasst mich in den Kommentaren daran teilhaben.

Das dritte Yama – Asteya – besagt übrigens, „nichts unrechtmäßig von anderen zu nehmen“. Vielleicht sollte ich das groß ausdrucken und an unsere Haustür hängen…

Namaste
Claudia.

 

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