Icke, icke bin keen Berliner

Berlin und ich – das ist eine Hass-Liebe. Wir begegneten uns das erste Mal als ich so elf oder zwölf war. An einem brütend heißen Sommertag stand ich mit schicker lila Radlerhose, weißem T-Shirt, Turnschuhen, Gürteltasche und Basecap bekleidet vorm Brandenburger Tor. Ich bin eben ein Kind der 90er. ;)
Es herrschte diese neugierige Nachwendestimmung, die ich in dem Alter genauso wenig verstand wie den Hype um dieses Tor. Ich wollte Eis essen oder Zuckerwatte, statt dort rum zu stehen. Nun, der modische Fauxpas und die ignorante Haltung gegenüber einem Meilenstein deutscher Geschichte sei mir – altersbedingt – verziehen.

Brandenburger Tor

Ab da kam ich in mehr oder minder großen Abständen in die Hauptstadt. Zum Wasserball, zur Goldenen Henne, für Seminare und Workshops, zum Yoga, zu Konzerten, als Flughafenzubringer und -abholer oder um selbst in den Urlaub zu starten. Dabei wechseln sich schöne Erinnerungen an nette Begegnungen, tolle Menschen, leckeres Essen und interessante Ausflüge mit weniger schönen Eindrücken von rotzigen Zeitgenossen, dreckigen Betten, miesem Essen und gerissenen Abzockern.

Kochbuch

Kürzlich kam Berlin plötzlich zu mir. Es steckte in Form eines Kochbuchs in meinem Briefkasten. „Die Stadt kocht. Berlin – Der Sommer“ von Cathrin Brandes und Florian Bolk.
Fünf wunderbare Kapitel mit 50 Rezepten von 30 begnadeten Köchen. Wer dieses Buch aufschlägt, ist mittendrin – in der Stadt und an den Tischen der Foodkünstler. So schön bebildert und anschaulich beschrieben, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft.
Es ist Kochbuch und Wegweiser zugleich. Die Rezepte sind raffiniert, recht anspruchsvoll und nichts für die schnelle Küche. Das muss es aber auch nicht, guter Genuss hat eben seine Zeit. Den Köchen möchte ich am liebsten mal über die Schulter schauen. Das Buch macht Appetit, jedem in seiner Wirkungsstätte einen Besuch abzustatten.
Ob die Restaurants, Bars, Eisläden und Weinhändler Geheimtipps sind, weiß ich nicht. Ich kenn mich nicht sonderlich gut aus in Berlin.  Das wird sich beim nächsten Besuch aber ändern, denn dieser tolle kulinarische Wegweiser ist schon im Gepäck. Fast ein bißchen schade, dass der Sommer jetzt schon vorbei ist…

The Village

Mit freundlicher Genehmigung darf ich euch noch ein Rezept aus dem Buch präsentieren. Es stammt von Susan und Matthias Neumann, die in Berlin-Charlottenburg das Café The Village betreiben. Definitiv auf meiner Must-see-(and -taste)-Liste.

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BBQ-Chicken mit Ofenkartoffeln und Cole Slaw
4 Portionen

BBQ-Chicken mit Cole Slaw

2 Zwiebeln
80g brauner Zucker
50g Apfelessig
80g Sojasauce
1/2 TL Chilipulver
1/2 TL Salz
1 TL Cumin
185g Tomatenmark

4 Hähnchenschenkel
4 große Kartoffeln

1 kleiner Weißkohl
1 Karotte
1 TL Salz
1 TL Zucker
2 EL Apfelessig
150g Mayonnaise

Zwiebeln fein würfeln und in Öl glasig dünsten. Zucker, Apfelessig, Sojasauce zufügen und zwei Minuten köcheln lassen. Chili, Salz, Cumin, Tomatenmark und 225ml Wasser zugeben und weitere 15 Minuten köcheln lassen. Die Marinade abkühlen lassen.
Die Hähnchenschenkel abspülen und trocken tupfen. Mit der Sauce bestreichen und abgedeckt im Kühlschrank für eine Stunde oder über Nacht ziehen lassen.
Für den Cole Slaw den Weißkohl in dünne Streifen schneiden. Kräftig mit Salz und Zucker durchkneten, damit das Kraut weich wird. Die Karotte schälen und fein raspeln. Mit dem Apfelessig und der Mayonnaise zum Weißkohl geben.
Ofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen, die Hähnchenschenkel auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech geben und circa 40 Minuten backen.

BBQ-Chicken

Die Kartoffeln schälen und in Spalten schneiden. Mit Olivenöl und Salz mischen und ebenfalls auf ein Backblech legen. Den Ofen circa 25 Minuten vor Ende der Garzeit der Hähnchen auf 200 Grad hochheizen. Das Blech mit den Hähnchen auf eine der unteren Einschubleisten setzen und das Blech mit den Kartoffeln darüber. Backen, bis sie gar sind.
Hähnchen mit Cole Slaw und Kartoffeln servieren.

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Wer im Besitz einer Brotschneidemaschine ist, dem empfehle ich, den Weißkohl mit dieser in Streifen zu schneiden. So fein bekommt ihr es mit dem Messer nie hin und es ist weniger Sauerei.
Der Cole Slaw ist mit selbst gemachter Mayonnaise noch besser. Das ist auch ganz einfach: 250ml Sonnenblumenöl, 1 Ei, 1 EL Essig, 1 TL Senf, Salz und Pfeffer in ein hohes Gefäß geben. Pürierstab auf den Boden stellen und einschalten. Wenn sich langsam die cremige Konsistenz zeigt, den Pürierstab langsam hochziehen bis alles emulgiert ist.
Das mit dem Ofen ist leider etwas kompliziert, lässt sich aber nicht anders machen, da ich weder über zwei Öfen verfüge noch kalte Kartoffeln oder kaltes Huhn essen möchte.

Na dann, lasst uns ma kicken, ob wir uns in Berlin sehen, wa?!
Claudia.

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